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Zeitplan zur Einführung neuer Top-Level-Domains offen

Auf dem ICANN-Meeting in Seoul Ende Oktober ist der bisher bestehende, vorläufige Zeitplan für die Einführung neuer generischer Internet-Endungen (new TLDs) überraschend aufgegeben worden. Ob neue Domain-Endungen wie .SAARLAND oder .BERLIN wie bislang geplant Ende 2010 online sein werden, ist damit fraglich. Grund für die Verschiebung ist ein zusätzlicher, vierter Entwurf der Bewerberrichtlinien, den ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) in Seoul ankündigte. Damit ist es wahrscheinlich, dass der für das zweite Quartal 2010 angesetzte Startschuss zur Bewerbungsphase um neue TLDs wohl erst in 2011 fallen wird.

Einer der Hauptgründe für die Ankündigung der erneuten Überarbeitung der Bewerbungsrichtlinien sind die Bedenken von Markenrechtsvertretern. Diese fordern Nachbesserungen zur Wahrung des geistigen Eigentums im Zusammenhang mit der Einführung der neuen TLDs. Ein technisches Gutachten hat laut ICANN zudem ergeben, dass die neuen TLDs nicht zeitgleich mit dem Sicherheitsprotokoll DNS Security Extensions (DNSSEC) in den Internet-Namensraum eingeführt werden können. DNSSEC wird voraussichtlich Ende des Jahres starten. Technik-Experten kritisieren außerdem die generelle technische Realisierbarkeit der neuen generischen Endungen gegenüber ICANN. Sie befürchten unter anderem, dass die Infrastruktur des Internet-Namensraums eine große Zahl neuer TLDs nicht stemmen kann. Als Lösung wird ein Zulassungsstopp in der Bewerbungsphase diskutiert.

Noch ist offen, wie viele Initiativen sich um eine neue TLD bewerben werden. ICANN rechnet mit 100 bis 1000 Interessenten. Bis zum Jahresende prüft die Behörde nun, ob sie potentielle Bewerber formell zur Anmeldung ihres Interesses an einer neuen TLD auffordern wird. Dies könnte den Verantwortlichen einen fundierten Überblick über die Zahl der Bewerber liefern. Vertreter der Initiativen für neue nicht kommerzielle TLDs, Städte-TLDs und Firmen-TLDs setzen sich für eine gestaffelte Einführung der neuen TLDs ein. So könnten die Bewerbungen, die eindeutig keine Markenrechte verletzten, ohne Verzögerungen bearbeitet werden. Leider verzichtete ICANN in Seoul gänzlich auf neue Zeitangaben zum Bewerbungsprozess.

Siehe auch:
http://www.heise.de/netze/meldung/Der-Zeitplan-fuer-neue-Internet-Adresszonen-wackelt-842678.html
http://www.heise.de/netze/meldung/Neue-Internet-Adresszonen-1000-100-000-viele-847568.html
http://domainnamewire.com/2009/10/29/icann-may-consider-pre-applications-for-new-top-level-domain-names/
http://domainnamewire.com/2009/10/26/new-gtld-timeline-slips-frustration-boils-over-in-seoul/


2 Kommentare


  1. dotSaarland e.V.

    Der dotSaarland e.V. hofft, dass ICANN sich zu einer schrittweisen Einführung der neuen TLDs entschließt und somit über die Bewerbung um .SAARLAND als unkritische regionale TLD frühzeitig entscheiden wird. Zwar ist der Zeitplan zur Einführung der neuen Internet-Endungen zurzeit vollkommen offen, wir hoffen jedoch, dass ICANN bald mehr Klarheit über die Anpassungen schaffen wird. Die vierte Auflage der Bewerbungsrichtlinien wird für das ICANN-Treffen in Nairobi Anfang März 2010 erwartet.

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